Mittwoch, 15. Juli 2015

NaBloPoMo #8

Weit weg
Wie weit warst du jemals von zu Hause weg?

Am weitesten weg von zu Hause war ich ,und das im doppelten Sinn, als ich für knapp 2 Jahre auf Teneriffa gelebt habe.

Im nachhinein betrachtet war das damals (2002) eigentlich eine fixe Idee, die ich erstaunlich zielstrebig und konsequent umgesetzt habe.
Mein damaliger Freund, mit dem ich noch gar nicht lange zusammen war und mit dem ich eine vielleicht leidenschaftliche aber nicht besonders innige Beziehung führte und mit dem auch keine große gemeinsame Zukunft vorherzusehen war wollte schon sehr lange nach Teneriffa. Er hatte Freunde dort. Und just, als wir zusammen kamen, war es dann soweit. Er wollte weg, ich wollte mit.
Ich glaube immer noch, dass meine Motivation vor allem darin begründet war, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und endlich mal einen Auslandsaufenthalt in meine Biografie zu integrieren. Denn bis dahin hatte ich jede Option auf einen längeren Auslandsaufenthalt unbeeindruckt an mir vorbei ziehen lassen. Aber ich bewunderte und beneidete jede/n die oder der 'so etwas' schon gemacht hatte (z.B. Aupair oder Auslandssemester) und empfand mein Leben, das ich bisher an nur einem einzigen Ort gelebt hatte als langweilig und rückständig. Zudem dachte ich damals, ich war immerhin schon 33, 'das kann es jetzt aber noch nicht gewesen sein, mach mal was aufregendes!'
Tja, und Auswandern ist aufregend, oder?
Ich hab meinen Job geschmissen, meine Wohnung gekündigt, meine Sachen verkauft oder verschenkt und auch sonst so ziemlich alles hinter mir gelassen, um auf Teneriffa neu anzufangen. Ohne zu wissen, was ich dort mache, wie ich dort lebe und ohne Spanischkenntnisse.
Ich hab es auch geschafft. Es hat gar nicht so lange gebraucht und ich hatte alles, was für ein leben auf Teneriffa wichtig ist. Ich hatte eine Wohnung, ein Auto und einen Job. Mir ging es eigentlich ganz gut. Aber eben nur eigentlich. Tatsächlich ging es mir ziemlich schlecht. Ich kann nicht mehr sagen, woran es ganz genau lag. Sicherlich waren es viele Dinge, die da zusammen kamen. Es waren vor allem die Menschen. Die Menschen auf Teneriffa, zu denen ich kein Zugang fand und die Menschen in meiner alten Heimat, die ich sehr vermisste.
Ich war unglücklich und wusste nicht warum. Bis ich mich sehr lange mit einer Frau unterhalten habe, der ich meine Situation schilderte. Die Frau war als gebürtige Iranerin, in Deutschland aufgewachsen und lebte nun auf Teneriffa. Die sagte zu mir:" Du hast großes Glück, denn du weißt, wo deine Heimat ist!" (klingt jetzt ein klein bisschen pathetisch, war aber wirklich so!)
Sie hatte es auf den Punkt gebracht und mir war auf einmal klar, dass ich wieder zurück muss.
Für mich war das definintiv (nicht nur kilometermäßig) viel zu weit weg von zuhause...

Dies ist ein Post im Rahmen der NaBloPoMo – Reihe. Die Idee ist, im Juli an jedem Tag zu bloggen. Wer mehr erfahren möchte, liest hier weiter. Noch mehr Blogs, die auch mitmachen, findet ihr dort rechts oben in der Sidebar.


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